April 21 Hoffnung und Mut

mova – on y va!

Das mova wird wegen der aktuellen Situation (COVID-19) um ein Jahr verschoben.

Das Bundeslager der Pfadibewegung Schweiz findet dieses Mal im Wallis statt. Das Goms wird Gastgeberregion für das BuLa sein. Rund 35’000 Pfadis werden das Tal vom 23. Juli bis zum 6. August 2022 zwei Wochen besiedeln. Unter dem Motto «mova» dreht sich alles rund um Bewegung. Bist auch du dabei?

Wir ‘Alten’ reservieren uns dieses Datum natürlich auch!

Mehr dazu auf  https://www.mova.ch/news


Vor 70 Jahren:

7. World Scout Jamboree    Bad Ischgl Oesterreich

Das 7. World Scout Jamboree (Weltpfadfindertreffen) fand vom 3. August bis zum 12. August 1951 in Bad Ischl (Oberösterreich) statt. Teilnehmer waren 12.884 Pfadfinder aus 61 Nationen. Nach 1951 fand kein weiteres World Scout Jamboree in Österreich statt. Das Lagermotto lautete Jamboree of Simplicity („Jamboree der Einfachheit“).

Die Maultrommel

Aus dem ‘Allzeit Bereit’, September 1951:

Die erste Ueberraschung am Jamboree bildete zwei­fellos die Wahl des Lagersignetes: die Maultrommel. Man wusste von ihr, dass sie heute noch in Oester­reich hergestellt wird. Weniger bekannt ist, dass die­ses Instrument bei einer Unzahl von Völkern im Gebrauche war oder noch ist, und dass ihr Abbild deshalb mit Recht über einer Stadt der 61 Nationen stehen durfte.

Die Maultrommel ist äusserst einfach konstruiert. Das Instrument sieht aus wie der Biigel eines Kork­ziehers, endigt aber nicht in einem Schraubengewinde, sondern läuft in zwei parallele Schienen aus, die so gestellt sind, dass eine in den Eisen­biigel eingespannte Stahlzunge frei hindurchschwingen kann. Legt man den «Kloben» leicht an die etwas geöffneten Zahnreihen und bringt die sehr elastische Zunge durch Anschlag mit dem Finger in Schwingung — wobei die Mundhöhle als Resonanzraum dient — entstehen durch kunstgerechte Anpassung der Zungen-, Lippen- und Backenstellung eigenartige Klänge, deren echoartiges Nachklingen besonders in der Nacht von eigenartiger Wirkung ist.

Die Maultrommel ist ein uraltes Instrument, das die Chinesen heute noch verwenden. Ein erst 1922 über Peking erschienenes Werk weist darauf hin: «Die meisten Strassenhändler haben bestimmte musikalische Rufe. Viele kündigten sich mit primitiven Instrumenten an; der schrille Ton einer Messingtrommel zeigt den Messerschleifer an, hörte man eine Maultrommel, wusste man, dass der Barbier die Strasse entlangging.» Die Chinesen schreiben dem Instrument, das sie Keo-Kin nennen, ein sehr hohes Alter zu. Dafür spricht besonders die weite Verbreitung unter vielen Völkern, die das Instrument schon lange, bevor sie mit Europäern in Berührung kamen, kannten. So soll das «Brummeisen» den Bass im Orchester der Kalmiiken bilden. Hooker erwähnt in sei­nen Hymalayan Journals, dass er Maultrommeln im Innern Tibets vor­fand. Ihr Spiel wird von einer kleinen Trommel rhythmisch untermalt. Von den im Osten der Insel Formosa lebenden Ureinwohnern schreibt McGovern: «Ein Verliebter hockt sich abends vor die Tür seiner Erko­renen und spielt auf einem Bambusinstrument, das einer Maultrommel gleicht – für unsere Ohren eher Klagegeheul. Nach einigen Wochen stundenlanger Serenaden lässt er das Instrument liegen. Wird es auf­genommen, ist er formell verlobt.» Der bekannte Ethnologe Grubauer erwähnt in seinem Werk über Celebes «hübsche» Maultrommeln aus der Provinz Sese, wo sie «n’goi» genannt werden. Die wilden Papuas und die Bewohner anderer melanesischer Inseln hatten eine grosse Vor­liebe für die «darubiri», wie sie ihre primitive Bambusmaultrommel nannten.

Sprachliche Formen deuten auf eine Erfindung der Maultrommel in Frankreich oder Piemont hin. In Deutschland heisst die Maultrom­mel seit alters Cremhalum. 1691 taucht der Name «Brummeisen» auf. Leicht lässt sich eine Verbindung mit dem portugiesischen hirimbao herstellen. Die meisten Namen der Maultrommel sind, wie dieser, klang­nachahmend; so das schwyzerische Schwirrigigli, das polnische drumla, das litauische dambras, das magyarische doromp und das rumänische dramba. Die lebensfrohen Italiener nennen das Instrument spassapen- sieri (Sorgenvertreiber). Der Franzose sagt guimbarde.

Die erste Erwähnung einer künstlerischen Verwendung des Instrumentes stammt aus Oesterreich. Als Josef II. 1764 auf seiner Reise zur Krö­nung in Frankfurt am Main im Stifte Melk Rast machte, produzierte sich zu «Seiner Ehren» der Benediktinerpater Bruno Glatzel auf der Maul­trommel und begeisterte durch sein kunstfertiges Spiel alle Anwesen­den. Der Stiftszögling Albrechtsberger, nachmaliger Lehrer Beethovens, war davon so entzückt, dass er mehrere Konzerte für Maultrommel schrieb. Mit wirklicher Virtuosität dürfte sie erst später Franz Koch gespielt haben. Er wurde 1761 zu Mittersill im Pinzgau geboren, war Buchbindergeselle und wurde auf seiner Wanderschaft von preussischen Werbern «von der Strasse weg» angeheuert. Wegen seiner Grösse wurde er zu den Grenadieren gesteckt. Eines Abends hörte ihn der Ronde machende Offizier auf der Maultrommel spielen und brachte ihn vor Friedrich den Grossen. Der als Gegner unerbittliche, «böse» Mann war von seinem Spiel ganz gerührt und gab Koch als erbetenes Geschenk die Freiheit. Dieser ward Kammervirtuose bei Friedrich Wilhelm und spielte auf seiner doppelten Maultrommel an allen deutschen Fürsten­höfen. Selbst Goethe hörte ihn und war von seiner Kunst begeistert. Die merkwürdigste Erscheinung unter den gefeierten Maultrommelkünst­lern des beginnenden 19. Jahrhunderts ist der Oberamtsarzt zu Weins­berg, Justinus Kerner. «Dem kleinen Brummeisen entlockte er feine und geisterhafte Töne, wie gehaucht, die sich in der Stille der Nacht erst ausdrucksvoll vernehmen liessen», schreibt Theobald Kerner in seinen Erinnerungen.

In engster Beziehung zu Kerner stand der Heilbronner Karl Eulenstein, der grösste Maultrommelvirtuose aller Zeiten. Ganz Europa war von seiner Kunst begeistert. Er bediente sich dabei 16 abgestimmter In­strumente, die er vor sich auf dem Tisch liegen hatte und während des Spieles blitzschnell auswechselte.

Heute ist die Maultrommel fast vergessen. Ein uraltes Volksinstrument, einst überall bekannt und geliebt, scheint uns verlorengegangen zu sein. Aber noch gibt es auf der weiten Welt einen einzigen Flecken Erde, wo die kleine Maultrommel beheimatet ist.

In Molin, einem Ort im oberen Steyrtal, leben seit mehr als 400 Jahren die Maultrommelmacher. Dort kannst du sie heute noch bei ihrer Arbeit bestaunen! Ein eigentümliches Bild hält dich gefangen, wenn du in die Stube trittst, die zugleich Werkstätte ist. In der Mitte steht ein riesen­grosser Baumstrunk, einem Amboss gleich, wie ihn einst Siegfried zum Schmieden seines Schwertes verwendet haben mochte. Um diesen sitzen

zwei Männer — Vater und Sohn —, die am Eisenkloben hantieren. Im Hintergründe steht ein klobiger Eichentisch, an dem Miutter und Kin­der arbeiten. Ihren fleissigen Händen sind die feineren Arbeiten anver­traut, die «Zunge» aber, die Seele des Instruments, darf nur ein Meister machen.

Einst unterstand das Handwerk einer strengen Zunftordnung, der «Handwerksordnung für Maultrommelmacher», erlassen von weiland Sr. Durchlaucht, dem Johann Maximilian, Grafen zu Lamberg, der Herr­schaft Steyr am 15. Oktober anno 1679. 30 selbständige Meister arbei­teten vor etwa 130 Jahren. Noch vor zwanzig Jahren gingen alljährlich rund eineinhalb Millionen Brummeisen — made in Austria — in alle Weit hinaus. Heute liegt die Erzeugung in den Händen von acht Fami­lien, die sich zu einer Werksgenossenschaft zusammengeschlossen haben.

Wer sich für Maultrommeln interessiert, kann z.B. (zufällig ausgewählt) bei https://dunum.ch/c/shop/maultrommeln fündig werden.