Wanderdääg im Baselbiet

Gwanderet und ufgschribe vom Dieter Schad, v/o Donald

Dr erschti Dail

1. Tag

Einmal mehr habe ich mir ein Ziel gesteckt. Ich wollte den Kanton Basel-Land umrunden, zu Fuss natürlich. Also begann ich mit den Vorbereitungen und suchte all meine Karten zusammen. Nach der Grenz- und Wegmarkierung folgte die Materialzusammenstellung. Meine Vorgabe war, so nahe wie möglich an 10% meines Körpergewichts zu gelangen, was 7.3 kg entspricht. Doch mit Rucksack, Zelt, Schlafsack und Schlafmatte, Getränkeflasche, Wäsche etc. war das ein Wunschtraum. Schlussendlich blieb es bei 12,5-13 kg Gesamtgewicht.

Am Montagmorgen bestieg ich kurz nach 10.00 Uhr in der Breite den gelben BLT-Bus, der mich nach Augst führte. Das Stück zwischen Birsfelden und Augst hatte ich schon öfters begangen, weshalb ich den Bus benutzte. Das Wetter war grau in grau, etwas feucht und die Temperatur lag bei gefühlten 10/12 Grad. Etwa 20 Minuten später verliess ich das öffentliche Verkehrsmittel und konzentrierte mich gemäss Karte, Blatt Nr. 1068, auf den kommenden Weg.

Der führte an Augusta Raurica vorbei, über die Autobahn Basel-Zürich, in Richtung ehemaliges Kloster Olsberg. Dem Violen Bach entlang ging es, rechtsseitig durch Wald und an Kuhweiden vorbei. Überall sah ich essbare und ungeniessbare Pilze. Ich begegnete Hundehaltern mit folgsamen und auch bellenden Hunden.Donald_Wanderung_BL_04

Auf der linken Talseite liess ich Olsberg hinter mir. In der Nähe des Egghofes (Pt. 438) begann der Weg an Höhe zu gewinnen und führte mich auf fast 570 Meter. Im Wald begann es leicht zu regnen. Irgendwo beim „Spargacher“ verliess mich meine  Orientierungsfähigkeit. Statt beim Igligerhof aus dem Wald zu treten, befand ich mich nach einem unendlich langen Weg oberhalb des Hof Dorn. Irgendwo im Wald hatte ich die konträre Richtung eingeschlagen. Nun wanderte ich im Kanton Aargau Magden entgegen und bog dort ab, dem Magdener Bach folgend, Maisprach zu. Allmählich spürte ich meine verschiedenen Muskeln. Ich freute mich auf einen Kaffee. Doch beide „Dorfbeizen“ hatten Montag und Dienstag Wirtesonntag. Macht nix, dachte ich, es gibt ja noch die bekannten „Tante-Emma-Lädeli“. Doch auch die existieren nicht mehr, denn viele Bewohner arbeiten in Basel oder im „Städtli“ und kaufen was sie brauchen dort ein. Somit erlabte ich mich am Wasser aus dem Dorfbrunnen, damit zumindest der seinen Zweck erfüllen konnte.

Im Dorfkern erkundigte ich mich nach einem Bauernhof, in dem ich eventuell schlafen könnte. Eine Frau riet mir in Richtung Sunnenberghof zu wandern. Dort hätte ich sicher eine Chance. Auf dem Weg dorthin hörte ich die Glocke der Dorfkirche 5 Uhr abends schlagen.

Etwa in der Mitte des Weges bemerkte ich von rechts einen Traktor auf mich, respektive die Wegeinmündung zufahren. Ich gab dem Lenker ein Zeichen und er hielt an. Ein junger Bursche mit Zahnspange sass hinter dem Steuer. Ich wollte von ihm wissen, woher er kam und ob ich auf dem Hof seiner Eltern vielleicht eine Schlafgelegenheit hätte. Er machte mir Hoffnung, erklärte den Weg und danach trennten wir uns. Er fuhr ins Dorf, ich begab mich auf den besagten Mettlihof. Das Ergebnis meines Gesprächs mit dem Vater des Burschen war, ich durfte die Nacht in einer Werkstatt, auf einem abgestellten Bettsofa (!) verbringen. Donald_Wanderung_BL_05Vorher sah ich noch beim Melken der Kühe und Schafe zu und konnte von der frisch gewonnen Kuhmilch trinken. Es war köstlich. Nach meinem mitgebrachten Pick-Nick bereitete ich mich vor für einen „gsunde, tüüfe Schlaaf“. Gegen 20.00 Uhr befand ich mich bereits im Schlafsack und nach einer SMS an meine Frau, dass alles bestens sei, schlief ich irgendwann ein.

2. Daag

Etwa 07.30 Uhr erwachte ich. Doch die wohlige Wärme im Schlafsack machte das Aufstehen schwer. Bevor ich mich der Herausforderung stellte, nahm ich die feucht-kalte Wäsche in den Sack. Warme Kleidung anzuziehen ist angenehmer. Um 08.00 Uhr war es dann so weit. Ich brachte mich ausserhalb der Schlafhülle, zog mich an und begab mich in den entfernten Waschraum. Nach der Toilette packte ich mein Hab und Gut zusammen und gegen 09.30 Uhr befand ich mich erneut auf Wanderschaft. Der Weg führte im moderatem Auf und Ab nach Buus, vorbei an Schiessstand und Rebhängen. Wiederkehrend ertönte der elektronisch erzeugte Vogelschrei eines Raubvogels oder von Vögeln im Todeskampf, zum Schutz der reifen Trauben vor Vogelfrass.

In Buus angekommen führte der Weg direkt zum Dorfladen und anschliessend in die geöffnete Wirtschaft. Hier genoss ich einen starken Kaffee und die bereits Anwesenden. Gefragt nach meinem Ziel antwortete ich, als „Städter“ umwandere ich den Kanton Basel-Land um zu wissen, was Basel bei einer Fusion sich da aufbürde. Es sei wichtig zu wissen, was man wieder abstossen könne. Die einen bemerkten meinen Scherz, andere hingegen reagierten eher etwas „betupft“. Nachdem ich mich jedoch als Bürger der Gemeinde Ziefen/BL zu erkennen gab, sahen auch die „Betupften“ die Lage gelassener.

Donald_Wanderung_BL_07Von Buus aus wanderte ich zurück an die Kantonsgrenze in Richtung Neuhof, Dornhof, Rütihof und Junkerschloss. Ausser Kühen und bellenden Hunden jeglicher Rasse, begegnete mir keine Menschenseele. Beim Junkerschloss pausierte ich, bevor die Wanderung weiter zum Asphof führte. Hier vollzog die Grenzführung einen Linksschwenk und ging weiter durch Feld und Wald. Ab und zu begann es unangenehm zu nieseln. In der Nähe des Hofes Buschberg (Koordinate 638.500 / 259.400) vollzog der Weg erneut einen Schwenk und führte in Richtung Dorf Anwil. Ich benutzte kurz davor eine Abzweigung, um nach Rothenfluh zu gelangen. Dort wusste ich von einer bekannten Beiz, in der ich mir eine heisse Suppe gönnte. Als einziger Gast plauderte ich mit dem Wirt, der ehemals in Basel eine Beiz geführt hatte.

Zwischenzeitlich war die Zeit voran geschritten und ich wollte noch nach Oltingen gelangen. Aber auf dem Weg dorthin wanderte ich der kleinen Ergolz entlang und gelangte so an ein Naturschutzgebiet. Zwischen zwei ehemaligen Fischweihern fand ich einen schönen Donald_Wanderung_BL_08Sitzplatz. Kurz entschlossen beschloss ich, hier mein Zelt aufzustellen und die Nacht zu verbringen. Obwohl die Verbindungsstrasse Rothenfluh/ Oltingen auf der anderen Weiherseite entlang führte, war’s relativ ruhig. Nach 19.00 Uhr befand ich mich bereits im Schlafsack und sendete noch ein paar SMS in die Welt hinaus. Das Rauschen der vorbeifahrenden Fahrzeuge wurde mit der Zeit immer weniger und in die Stille ertönte ab und zu der Ruf eines Wasservogels. Irgendwann schlief ich ein und irgendwann erwachte ich. Ich hatte kalt. Ich suchte meine Fleecejacke und eine Trainerhose, zog sie an und fühlte mich gleich wohler. Draussen herrschte eine ungewohnte, gespenstige Stille, die trotzdem etwas Beruhigendes an sich hatte. Ich kuschelte mich in den Schlafsack und schlief vermutlich bald wieder ein.

3. Daag

Gegen 07.00 Uhr erwachte ich das erste Mal. Durch mein Netzfenster sah ich, dass es draussen neblig und ungemütlich war. Deshalb legte ich mich erneut hin und nahm auch dieses Mal die kaltfeuchte Wäsche in den warmen Schlafsack. Aber das stetige Rauschen der vorbeifahrenden Fahrzeuge, sowie die unterschiedlichen Motorengeräusche vom Motorrad, über die verschiedenen Autosorten, Lastwagen bis zum Traktor, liessen mich nicht mehr schlafen. So zog ich mich an, packte meine Utensilien zusammen und demontierte mein Schlafgemach. Als alles reisebereit vor mir lag, gönnte ich mir ein kleines Frühstück aus Brot, Käse und den restlichen Salamischeiben. Anschliessend wurde der Mund gespült. Für das Putzen der Zähne reichte das Wasser nicht mehr. Nun wurde alles eingepackt und um 09.15 Uhr befand ich mich auf dem Weg in Richtung Olsberg. Der Pfad führte mich vorbei an weiteren ehemaligen Fischweihern die von der schmalen Ergolz gespiesen wurden, direkt in den Wald. Irgendwo stieg der Weg an und überwand linkerhand des kleinen Tales eine Felsstufe, über die sich der Bach in ein kleines Wasserbecken stürzte. Oben ging’s relativ eben weiter, direkt ins Dorf. In einem Schuppen sass ein älterer Mann und schliff die Messer eines Rasenmähers. Auf meine Frage erklärte er mir den Weg zur offenen Dorfwirtschaft. Dazu musste ich das gesamte Dorf durchwandern.

Donald_Wanderung_BL_11Die Wirtschaft war klein und leer. Ausser einer jungen, Farbigen hinter dem Tresen befand sich niemand im Raum. Ich deponierte meinen Rucksack, bestellte einen Kaffee und entnahm meinem Rucksack das Necessaire mit Frottéetuch. Dann verschwand ich in den Toilettenraum. Hier wusch ich mich und putzte die Zähne. Dass es kein warmes Wasser gab, liess mich kalt. Wichtig war die Frische im Mund. Während meiner Abwesenheit war ein weiterer Gast und der Wirt im Restaurant eingetroffen. Der Wirt wollte wissen, woher ich denn kam und wohin ich gehen wollte. Ich erklärte es ihm. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich bis zum unteren Hauenstein ohne Karte wandern müsse, rieten er wie der zweite Gast von diesem Vorhaben ab. Bei der momentanen Wetterlage, also feucht und sehr neblig, sei das ein Risiko. Zudem würde es – gemäss Wetterprognose – am Donnerstag kalt und der erste Schneefall liege in der Luft. Ich wollte dann wissen, welche Alternative ich hätte, sahen sich beide fragend an und meinten dann, ja dann müsste ich halt der Strasse entlang wandern. Auf die Frage nach einem öffentlichen Verkehrsmittel, also Busbetrieb, erhielt ich die Antwort, viel zu kompliziert. Da war guter Rat teuer. Doch der zweite Gast anerbot sich, mich bis zum Unteren Hauenstein mitzunehmen. Er wohne in Wisen/SO und die Weiterfahrt sei kein Erschwernis. So durfte ich nach einer Fahrt von etwa 15-20 Minuten auf der Passhöhe aussteigen und mich beim Chauffeur für seine Fahrt bedanken. Dadurch ersparte ich mir ein paar Wegstunden und einige Schweisstropfen.

Gegenüber dem Parkplatz führte der Weg in stetigem Auf und Ab zum Bauerhof „Schmutzberg“. Unterwegs begegnete ich einer Schar Pfadfinder mit blau-gelb gestreifter Krawatte. Sonst befand ich mich allein auf dem Pfad.Donald_Wanderung_BL_15

Beim Schmutzberg konnte ich mich an angebotenem Apfelsaft erlaben und das weitere Angebot betrachten. Auch hier bekam ich keine Menschenseele zu Gesicht. Eine Katze umschlich meine Beine und nach einer kurzen Streicheleinheit machte sie sich mit erhobenem Schwanz davon. In der Zwischenzeit hatte sich die Nebelschicht aufgelöst und einer wärmenden Sonne Platz gemacht. So verliess auch ich den Hof und wanderte gemütlich weiter in Richtung Challhöchi. Leider hatte dieses Bergrestaurant am Mittwoch Ruhetag. So konnte ich meinen Hunger nicht stillen. Nun musste ich mir Gedanken machen, ob ich weiter wandern soll. Einerseits musste ich in den kommenden Stunden weiter aufwärts, ohne Kalorienspender. Zweitens hatte ich keine Ahnung, ob das Berghaus Obere Belchen offen war und drittens, soll ich eine weitere Nacht im Zelt verbringen, wenn der Temperatursturz in der Nacht einsetzt und ich am Morgen im Schnee erwachen werde. Um eine definitive Entscheidung fällen zu können, zog ich mein iPhone aus der Tasche und startete die Wetter-App. Die sagte dann klar, dass die schlechte Wetterlage eintreffen wird und machte mir somit die Entscheidung leicht. Ich nahm den Weg in Richtung Eptingen unter die Füsse. Der Weg führte steil nach unten und etwa ¾ Stunden später kam ich beim Ausgang des Autobahntunnels „Belchen“ ins Tal. Nun war es nicht mehr weit bis zum Dorf Eptingen. In der Nähe der Kirche gab’s einen Gasthof, in dem ich zuerst ein köstliches, den Durst stillendes Bier trank, um danach einen Nussgipfel mit einem Kaffee runter zu spülen. Ausser mir und der Wirtin war niemand anwesend. Wir sprachen über Gott, die Autobahn und meine Wanderung. Etwas mehr als eine Stunde danach fuhr ich mit dem Postauto nach Sissach und von dort mit der Bahn nach Basel.

Es waren drei gute Tage gewesen, trotzt misslicher Wetterlage. Aber im Sommer wäre die Wanderung nicht so angenehm zu bewältigen. Schade dass ich das Vorhaben abbrechen musste. Doch für die Weiterführung weiss ich nun, dass der Start erst ab Dienstag ideal sein wird, denn in den folgenden Tagen wird vermutlich kein Gasthof seinen Ruhetag haben.


Dr zwaiti Dail

1. Tag

Für Samstag war der Start einer weiteren Wanderetappe geplant. Doch das Wetter wendete die dunkelste Seite seiner Möglichkeiten an. Es war saumässig, grau in grau und alle Himmelsduschen geöffnet. Mein Freund und Chauffeur weigerte sich, mich an den Startort oberhalb Eptingen, auf die „Challhöchi“ zu fahren. Er fand es sei zu kalt und unvernünftig. Am Sonntag werde besseres Wetter sein.

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BL-Wanderung-2-b01Sonntagmorgen fuhren wir um 10.00 Uhr los. Die Sonne schien von einem leicht bewölkten, blauen Himmel. Mein Rucksack brachte ein Gewicht von 13.5 kg auf die Waage. Gegen 10.45 Uhr verabschiedete ich mich von meinem Kollegen auf der „Challhöchi“. Es blies ein kühler Wind. So begannen meine nächsten Wandertage um den Kanton Basel-Land. Geplant waren 10 Tage. Doch bei der Planung vergass ich die kommenden Strapazen durch das ewige, heftige Auf und Ab und die Wetterkapriolen. Gott sei Dank, denn wenn ich die Karten genauer betrachtet hätte, wäre ich womöglich gar nicht aufgebrochen.

BL-Wanderung-2-b03Der Weg begann auf 850 Höhenmeter und stieg stetig an. Es war eine Route voller Hinweise auf die Weltgeschichte. Anscheinend befanden sich im 1. Weltkrieg einige Soldaten hier im Einsatz. BL-Wanderung-2-b04Dies dokumentierten am Wegesrand die verschiedenen Wappen der anwesenden Kompanien an den Felswänden. Der Blick wanderte talwärts über verschiedene Hügelketten und liess ihn zum dampfenden Turm des AKW Gösgen gleiten. BL-Wanderung-2-b02

Beim Abzweiger zur Belchenflue entschied ich mich gegen den steilen Aufstieg. Dafür folgte kurz danach ein entsprechender Abstieg. Der Weg war als Treppe ausgebaut. Die Stufen hatten meines Erachtens oft eine unangenehme Höhe von ca. 15-20 cm. Das bedeutete, dass bei jedem Tritt die Gelenke stark belastet wurden. Beim Aufstieg braucht es viel Kraft, diese Stufen zu überwinden. Die Stufenhöhe einer Haustreppe ist etwa gleich hoch. Der Ab- oder Aufstiegswinkel hingegen ein anderer. Zudem existiert ein Treppengeländer, an dem man sich abstützen oder hoch ziehen kann.

BL-Wanderung-2-b06Nach dem Weglein gelangte ich zum Hof Gwidem und in stetigem Abstieg auf der Strasse zum Berggasthof Dürstel, auf 805 Höhenmeter. Hier beschloss ich einzukehren. In der Gaststube hatte es nur noch wenige freie Stühle. Ich wurde freundlich empfangen und an einen freien Platz verwiesen. Am Tisch sassen vier Personen, zwei Männer und zwei Frauen. Eine der Frauen war, wie ich aus den Gesprächen entnehmen konnte, die Mutter des einen Gastes. Alle stammten aus Langenbruck oder der Umgebung. Ich bestellte bei der Wirtin, einer Baslerin, Tranksame und eine Tagessuppe. Diese gabs nicht im Angebot. Also fragte man in der Küche nach. Mir wurde eine Tomatensuppe angeboten, die ich bestellte. Während der Wartezeit erfuhr ich, dass am langen Nebentisch eine Geburtstagsgesellschaft der Umgebung feierte. Die Gäste erzählten Witze, Begebenheiten aus dem Bauernleben und vieles mehr. Ab und zu erhob sich das männliche Geburtstagskind, er war 28 Jahre alt geworden, und bot meinen Tischnachbarn wie auch mir Schoggikuchen an. Ich sagte nicht nein, bat aber um Alufolie, damit ich ihn mitnehmen konnte. Diesem Wunsch wurde entsprochen. Als ich am Abend den Kuchen auspackte, hatte sich dieser auf drei Stück vermehrt. Die Personen an meinem Tisch wollten natürlich wissen woher ich kam und wohin ich wollte. Das führte zu längeren Gesprächen. Ich erfuhr u. a., dass die ältere der Frauen vor langer Zeit in Basel gelebt hatte und kurz vor Schuleintritt des Sohnes (der in zwei Monaten pensioniert wird) mit ihrem Gatten nach Langenbruck zog.

In der Zwischenzeit bekam ich meine Tomatensuppe in einem grossen, modernen Teller serviert. Wie in besseren Lokalen üblich, wurde Rahm als Muster eingerührt und das Tomatenrot mit einem Doppelblatt Basilikum akzentuiert. Gut war sie, aber „es hätt e bitzeli meh dörfe si“! Auf Brot und Suppe folgte ein Stück frisch gebackene Rhabarberwähe mit Rahm und zwei Dekor-Erdbeeren. Die hatten zwar Farbe und Form, aber nicht den Geschmack einer Erdbeere. Abschliessend trank ich noch einen doppelten Espresso. Nun war ich satt, hingegen nach der Bezahlung mein Geldbeutel leer.

Nach etwas mehr als einer Stunde Aufenthalt verabschiedete ich mich von der angenehmen aber doch etwas teuren Gaststätte. Der Weg ging gegenüber dem Gasthof kurz aufwärts, an einem Bauernhof vorbei, und schwenkte danach rechts auf einen ebenen Wiesenweg ein. Nach ein paar hundert Metern begann sich dieser dem Tal entgegen zu neigen. Kurz vor Langenbruck ging es bis auf 700 Höhenmeter stutzig bergab. Im Dorf überquerte ich die Hauptstrasse und schon stieg der Weg erneut an. Er führte an der Kirche vorbei und mündete in die Strasse nach Mümliswil. Hier rasten immer wieder Motorräder an mir vorbei. Der Strasse folgte ich etwa 100 bis 200 Meter. Auf der rechten Seite ging dann ein Weg abwärts und überquerte in der Talsohle die junge Hintere Frenke. Beim Übergang befand sich ein geräumiger schöner Grillplatz. Er wäre ein idealer Platz für ein Nachtlager gewesen. Aber es war noch zu früh. So wanderte ich talaufwärts stets dem Bach entlang. Nach ein paar Kurven trat ich aus dem Wald auf eine grosse Lichtung. Links befand sich ein offener Schiessplatz. Einige Meter geradeaus, stand eine Hütte mit Tisch, Bankgarnitur, Brunnen und einer Grillstelle. In unmittelbarer Nähe befand sich eine Fahnenstange mit gehisster Schweizerfahne, die im kalt blasenden Wind wild flatterte.BL-Wanderung-2-b08

Drei Ehepaare mit Kinder und Hunden sassen dort und unterhielten sich. Ich fand den Ort wie geschaffen für ein Nachtlager im Zelt. Obwohl erst kurz vor halb vier, fragte ich, ob dies Vorhaben Probleme mit sich bringen könne. Die Leute schauten sich an und meinten dann Nein, weshalb auch. Die Hütte sei offen. Somit bräuchte ich das Zelt nicht aufzustellen. Ich könne getrost in der Hütte auf dem Tisch, dem Sofa oder dem Boden schlafen. Im Sommer würde sie oft von der Jugend für Feste benutzt. Zudem hauste schon ein Landstreicher mehrere Wochen hier. Also meinem Vorhaben stehe nichts im Wege.

Mein Entschluss stand fest. Obwohl noch früh, bezog ich hier mein Nachtquartier, das sich auf 830 Meter Höhe befand. (Die Situation am folgenden Vormittag zeigte, dass mein Entscheid richtig war). Vor dem Hütteneingang befand sich eine Veranda mit Tisch und Sitzgelegenheiten. Betrat man die Hütte, stand man in einem Raum mit Tisch, Eckbank, zwei einzelnen Polstersesseln und einem Sofa. In den Seitenwänden waren je ein Fenster mit Einfachverglasung eingelassen. Hinter der Hütte stand ein grosser Baum. Von der Raumtüre aus konnte man den Blick über Langenbruck bis Richtung Belchen schweifen lassen. Ein herrlicher Ort, wenn der Wind nicht so kalt geblasen hätte. Irgendwann verabschiedeten sich die Leute und wünschten mir einen angenehmen Aufenthalt. Ich verzog mich dann auf die Rückseite der Hütte. Hier war es windstill und die Sonne wärmte herrlich. Ein paar hundert Meter, gegen das Ende der Lichtung befanden sich einige Kühe, welche die Stille mit ihrem Geläut noch genussvoller machten. Hier oben war ich ganz für mich allein. Vermutlich war dieser Zustand dem Sonntagabend zuzuschreiben. Irgendwann erschien ein Jogger, der hier seine Stretching-Übungen vollzog und sich danach noch mit mir unterhielt. Als er weiterjoggte, platzierte ich mein Innenzelt im Hüttenraum, legte ein Kissen der Sitzgarnitur als Kopfkissen zurecht und entrollte den Schlafsack. Mein Lager war bereit. Ich setzte mich vor der Hütte hin und genoss in der Abendstille meine karge Mahlzeit: Brot mit Käse und Salami. Dazu gabs Wasser, frisch vom Brunnenhahn. Als Dessert genehmigte ich mir zwei Stück Kuchen. Gegen 19.30 Uhr, die Bise hatte an Stärke und Kälte zugenommen, vollzog ich die Abendtoilette, betrat mein „Zuhause“ für die kommende Nacht und verriegelte Türe mit einem der Sessel. Etwas später lag ich im Schlafsack auf dem harten Hüttenboden. Die selbstaufblasbare Matte hatte ich zu Hause gelassen. Was ich nicht wusste war die Tatsache, dass der Wetterbericht für diese Nacht möglichen Bodenfrost in etwa 50cm ab Bodenhöhe angesagt hatte. Ein Umstand, der mir eine kühle Nacht bescherte, in der ich alle vorhandenen Kleidungsstücke als Wärmeschutz einsetzte. Trotzdem schlief ich nach 02.00 Uhr ein und erwachte erst ein paar Stunden später.

2. Tag

Motorengeräusch holte mich aus der Schlummerphase. Ein Traktor kam näher und fuhr an meinem Nachtquartier vorbei. Ich schaute auf die Uhr. Es war sieben Uhr. Der Blick durchs Fenster meiner Schlafstelle liess vermuten, dass draussen die Sonne schien. Ich beschloss, noch ein wenig mit dem „aus dem Schlafsack herausschälen“ zu warten. Es war gemütlich warm, jedoch die Unterlage ungemütlich hart. Aber ich mochte mich noch nicht dem Alltag stellen.

Gegen halb acht war’s so weit. Ich rappelte mich aus der Schlafhülle und begann mich anzuziehen. In feuchtkalte Kleider zu schlüpfen ist nicht angenehm, aber halt notwendig. Als ich Unterleibchen, Wanderhose und Schuhe anhatte, öffnete ich die Haustüre. Eine herrlich wärmende Sonne schien mir ins Gesicht. Sofort nahm ich das feuchtkühle T-Shirt und Wanderhemd und legte beides draussen auf den Tisch. Dann wusch ich mir den Schlaf aus den Augen, bevor ich alles in den Rucksack zu verstauen begann, damit ich das Zelt einpacken konnte. Als dies erledigt war rückte ich die Sessel an ihren Ort und setzte mich danach an den Aussentisch. Fast kein Lüftchen wehte. Es war wie an einem Sommertag in der Früh. Zum Frühstück begnügte ich mich mit einer Scheibe Zopf, Käse und Salami. Abschliessend gabs das letzte Stück Schokoladenkuchen vom Vortag. Kurz danach zog ich die fast trockenen Kleidungsstücke an, packte den Rucksack vollständig und genoss noch ein wenig die Wärme der Sonne.

Gegen 09.00 Uhr begann ich den nächsten Tagesmarsch. Zuerst führte der Weg geradeaus, bevor er nach links abbog und stetig aufwärts dem Lichtungsrand folgte. Der Wegweiser zeigte in Richtung „Tüfelschuchi“. An einem Holzumschlagplatz legte ich eine kurze Rast ein, um mein Tenue zu dezimieren. Dazu hängte ich meinen Fotoapparat an einen Ast. Nach erledigter Kleidererleichterung gings weiter langsam steil bergan. Mein Motor erbrachte Höchstleistung. Nach etwa 5-10 Minuten hielt ich kurz an. Jetzt bemerkte ich das Fehlen meines Fotoapparates.  S……e!!! Den liess ich unten hängen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Rucksack hinzustellen und das Stück Weg zurück zu gehen. Das war ja nicht so tragisch, doch danach erneut nach oben zu stapfen ärgerte mich mehr. Aber ohne das Gewicht Rucksackes wars erträglich. Der Fotoapparat hing immer noch an seinem Ast. Abhängen, umhängen und zum Rucksack zurück. Nun konnte die Wanderung weiter gehen. Die Lehre aus dem Vorfall: Behalte den Fotoapparat stets angehängt oder verstaue ihn in einer Aussentasche des Rucksackes.

Der Pfad war schmal und eröffnete immer wieder herrliche Blicke bis zu den Berner Alpen. BL-Wanderung-2-b09Mehrmals musste ich stehen bleiben, um den Anblick auf das Speicherplättchen meiner Kamera zu bannen.  Bei einer Verzweigung führte der eine Weg abwärts zur „Tüfelschuchi“, während mein Pfad nach oben ging. Ab 1050 Meter Höhe gings abwärts dem Hof „Hinterer Hauberg“ entgegen. Ich musste über Weideland, das mit Stromzäunen abgegrenzt war. Zwei mal überstieg ich eine Wandertreppe, die zwischen den Zäunen eingebaut waren bevor ich, kurz vor dem Hof, an die Strasse gelangte. Hier gabs einen V-förmigen Ausgang. Der war aber von einer kämpferisch veranlagten Kuhherde versperrt. Nun, die Kühe waren nicht das Problem, aber der kraftstrotzende Bulle. Der zeigte an meiner Anwesenheit keine Freude. Mindestens war dies mein Eindruck. Immerhin befand sich zwischen mir und ihm ein Elektrozaun. Ich wanderte deshalb dem Zaun entlang, als plötzlich ein „Barri“ bellend auf mich zustürmte. Nun, auch er hatte einen Elektrozaun zwischen sich und mir. Aber was nun. Da er immer weiter bellte, erschien endlich der rettende Bauer. Auf dessen Ruf trottete das Ungetüm „Barri“ zurück. Der Bauer rief mir dann zu, dass ich ohne Probleme beim nächsten Viehtor auf die Strasse wechseln könne. Gesagt, getan und die „Gefahrenzone“ lag hinter mir. Es dauerte nicht lange und ich gelangte zum nächsten Bauerngut. Hier begrüssten mich zwei Hunde stürmisch, die jedoch kurz darauf von ihrem Besitzer zurückgepfiffen wurden. Etwas später stand ich erneut vor verirrten Jungstieren, die dem Wandersmann den Weg versperren wollten. BL-Wanderung-2-b10Doch der Bauer befand sich schon unmittelbar hinter mir, um die Jungmannschaft in ihre Schranken zu weisen. Nach einer kurzen Wartezeit konnte ich endlich den Weg ohne Zwischenfälle fortsetzen. So gelangte ich auf die Verbindungsstrasse Waldenburg/Restaurant Waldweid. Bei der Wegzweigung Pt. 1022 las ich auf einem Schild, dass das Restaurant geöffnet hatte. Als ich bei der Beiz eintraf, stand dort ein anderes Schild, das dem Durstigen oder Hungernden mitteilte, das Restaurant sei geschlossen, infolge Wirtewechsel. Kundenfreundlichkeit ist eine schwierige Sache. Da habe ich andere Vorstellungen.BL-Wanderung-2-b12

Etwas verärgert kehrte ich um und wanderte der Wasserfallen entgegen. Dort liess ich mir ein Panasch munden. Dazu gabs „Älplermakkaronen mit Apfelmus“. Ich genoss die wärmende Sonne und die vorhandene Situation. Auf einem Schild konnte ich lesen, dass die „Hintere Wasserfallen“ Montag und Dienstag Wirtesonntag hatte. Somit löste sich mein Plan in Luft auf, dort zu übernachten. Ich war mit mir jedoch einig, mein Vorhaben, der Kantonsgrenze entlang zum Vogelberg und von dort in Richtung Hof Bogenthal zu wandern, nicht ausführen werde; schon gar nicht mehr heute. Der Vogelberg hatte zudem aus meiner RS-Zeit nicht die besten Erinnerungen hinterlassen. So fuhr ich nach etwa zwei Stunden Aufenthalt mit der neuen Gondelbahn hinunter nach Reigoldswil. BL-Wanderung-2-b14Dort marschierte ich zum Gasthof Ryfenstein, der praktisch beim Dorfeingang, gegenüber dem erhöhten Dorfmuseum an der Strasse steht (welcher APV’ler kennt die beiden Gebäude nicht?). Hier erhielt ich ein Zimmer. Bad und WC befanden sich auf dem Flur. Mit Frühstück musste ich Fr. 60.00 für das Angebot bezahlen. Nach einer Dusche und dem Kleiderwechsel verbrachte ich bis gegen 19.00Uhr den milden Abend auf der Terrasse. Dann bestellte ich ein leichtes Mahl, das ich im Restaurant am Stammtisch serviert bekam. Die politischen Diskussionen der Anwesenden versetzten mich in eine Stimmung wie zu Gotthelfs Zeiten. Die Mehrheit war sich einig, zwei Anwesende dagegen. Einer davon ein Choleriker. Ab und zu erhitzten sich die Gemüter. Einig waren sich jedoch alle beim Thema Kantonsfusionierung: „Mir sy Baselbieter und blibe Baselbieter“. Am Tisch sassen auch zwei Frauen. Beide verhielten sich neutral, respektive still. Politik am Stammtisch ist halt immer noch Männersache! Gegen 21.00 Uhr verabschiedete ich mich. Kurze Zeit danach lag ich wohlgenährt in einem warmen  Bett.  Ich schlief erholsam in Etappen bis gegen 07.00 Uhr.

3. Tag

BL-Wanderung-2-b15Heute hatte ich geplant, einen Teil der Route mit dem Postauto zurück zu legen. Da dieses nach 08.30 Uhr erst wieder gegen 11.30 Uhr fuhr, musste ich mich nicht beeilen. Gegen 08.45 Uhr zog ich mich an, packte den Rucksack fast zu Ende und ging dann frühstücken. Was geboten wurde war anständig. Brot, Brötchen und Gipfeli. Dazu Käse, Aufschnitt, Butter und Konfitüre. Zum Trinken erhielt ich einen Orangenjus, Tee und abschliessend den bestellten doppelten Espresso. Die ersten Nachbarn sassen bereits beim Bier oder Kaffee. Gegen 10.15 Uhr begab ich mich ins Zimmer zurück und machte mich abmarschbereit. Da ich noch viel Zeit bis zur Abfahrt hatte, konnte ich den Rucksack im Gasthof stehen lassen. Dann machte ich eine Erkundungstour durch Reigoldswil. Vor allem der hintere Teil, also Richtung Wasserfallenbahn und um die Kirche, hinterliess den Eindruck eines heimeligen oberbaselbieter Dorfes. Viele neue Häuser waren vorhanden. Die Dorfbrunnen waren sehr gepflegt und mit Liebe geschmückt. Praktisch jede Person der ich begegnete, begrüsste mich, Kinder eingeschlossen.  Gegen 11.00 Uhr holte ich den Rucksack im Gasthof ab und setzte mich bei der Bushaltestelle auf eine Ladentreppe. Hier genoss ich das Treiben bis der Bus eintraf. Die Fahrt dauerte etwa 15-20 Min. Zuerst gings nach Lauwil und von dort nach Bretzwil. Hier verliess ich den Bus.

Nun begann der anstrengendere Teil des Tages. Gemäss Karte führte mich der Weg , wie könnte es anders sein, aufwärts zum Hof Kählen und dann um den Binzenberg herum. Beim Pt. 713 führte der breite Pfad zum Pt. 626. Hier traf ich auf eine Strasse die zur Verbindung Seewen/Ziefen führte. Die vorhandene Raststätte benutzte ich kurzzeitig, bevor ich weiter zog.

Bei der Einmündung in die erwähnte Verbindungsstrasse marschierte ich rechts weiter, dem Holzenberg entgegen. Während die Grenze in einer Geraden von 602 auf 756 Meter zum Funkturm auf dem Holzenberg verlief, wanderte ich etwas unterhalb auf einem weniger ansteigenden Weg um den Berg herum. Ab und zu gab der Wald die Sicht frei in Richtung Ziefen. BL-Wanderung-2-b16So kam ich mit der Zeit zum Hof Oschtel. Vor mir befand sich Lupsingen. Die Grenze verlief oberhalb an Lupsingen vorbei. Beim Pt. 437 entdeckte ich rechts des Weges eine sehr schöne Grillstelle mit Tischen und Bänken. Hier liess ich mich nieder, um eine Kleinigkeit zu essen. Viel wars nicht, aber es brachte etwas verbrauchte Energie zurück. Danach stapfte ich durchs Tal des Ruestelbaches. Bei der Verbindungsstrasse Lupsingen/Büren  endete der Weg. Ich musste nach rechts ein Stück der Strasse entlang. Unterwegs stand ein grosses Warnschild, das Jogger und Wanderer auf die mögliche Gefahr von Angriffen durch brütende Raubvögel aufmerksam machte. Ich hörte und sah einen Mäusebussard. Aber anscheinend hielt er mich nicht für gefährlich, denn die Attacken blieben aus. Nach einer Viertelstunde bog der Weg links ab in den Wald. Nun wanderte ich im Oristal. Irgendwo bemerkte ich einen Graureiher, der still und regungslos am Bachrand stand und auf Beute hoffte.

Ich kreuzte eine weitere Strasse, welche vom Tal weg nach Lupsingen führte und lief weiter Liestal entgegen. BL-Wanderung-2-b18Da mir das Anschlussblatt Sissach fehlte, beschloss ich auf der Höhe der Orismühle die Seite zu wechseln und nach Nuglar zu gehen. Von dort aus wollte ich mich wieder auf die Kantonsgrenze zubewegen. Beim Knotenpunkt der Strassen nach Liestal und derjenigen nach Nuglar, betrat ich die Strasse in Richtung Nuglar. Nun hatte ich eine längere Asphaltlstrecke vor mir. Beim Abzweiger befindet sich rechts ein Militärdepot. Ich hatte dieses noch nicht passiert, als ein Auto an mir vorbei fuhr und kurz danach anhielt. BL-Wanderung-2-b19Ein Mann stieg aus und kam auf mich zu. Er wollte wissen wohin des Weges. Als ich ihm mein Ziel nannte, fragte er, ob ich mitfahren wolle. Er müsse nach Gempen. Ich bin nicht religiös, vor allem habe ich darüber meine eigene Meinung gebildet. Doch manchmal habe ich schon das Gefühl, gewisse Wünsche werden gleichwohl erhört. So fuhren wir gemeinsam Nuglar entgegen. Unterwegs stellte er sich der Lenker als Toni vor. Er erzählte mir von einer Fernwanderung mit einer Gruppe, die von Basel nach Rom führte. Dieses Jahr im Herbst wolle er mit der gleichen Gruppe ins Prioriat. Das liege in Spanien. Bergklöster seien durch Wege verbunden. Die wolle die Gruppe erwandern und auch in den Klöstern übernachten. Während der Unterhaltung hatten wir Nuglar passiert und befanden uns nun an dem Ort, wo ich aussteigen wollte.

Wir verabschiedeten uns. Er fuhr Richtung Gempen, ich begab mich auf die Suche nach der Grenze. Dort angekommen, konnte ich auf angenehmen Wegen der Kantonsgrenze folgen. Der Himmel überzog sich immer mehr mit grauen Wolken es begann zu winden. Nach etwa 1.5-2.0 km führte die Grenze einen steilen Hang hinab. Von ca. 550 Höhenmetern sackte der Weg ab auf 481 Höhenmeter ins Röserental. Die Karte zeigte auf der Gegenseite einen entsprechenden Anstieg auf 650 Meter. Also begann ich den Abstieg über die Stufen. Es war mehr als mühsam. Neben der Treppe zu gehen war genauso schwierig, da man sich auf Geröll bewegte und immer wieder ins Rutschen kam. So landete ich etwa zweimal auf dem Hinterteil. Endlich am Talboden angekommen, überquerte ich über zwei Holzstege zwei Bäche. Gegenüber führte der Grenzweg ebenfalls über Stufen nach oben. Da ich das nicht wollte, entschloss ich mich, auf dem linken Bachweg das Röserental zu durchwandern.BL-Wanderung-2-b20 An einem warmen Sommertag ein herrlicher Aufenthaltsort. Rechts des Weges plätscherte der Bach, links gurgelte immer wieder mal ein kleineres Rinnsal diesem entgegen. Etwa in der Mitte der Wegstrecke kam ich an einen Wegweiser der mich auf den Weg nach Bad Schauenburg verwies. So gings erneut leicht bergan bis zur nächsten Wegkreuzung. Hier stand ein weiterer Wegweiser, der geradeaus zeigte. Die Karte gab mir aber noch eine andere Möglichkeit. Ich beschloss, diese Variante einzuschlagen. Die Wetterlage hatte sich nun ganz geändert. Der Himmel war dunkelgrau und ab und zu spürte ich vereinzelte Tropfen. Auf dem Weg kam mir plötzlich Wasser entgegen das aus einem Schacht mit Deckel sprudelte. So wie es schien ein Sammelbecken für eine grössere Quelle. Das Nass war herrlich kalt und glasklar. Ich marschierte weiter und kam irgendwann an einen schmalen Pfad, der entlang einem kleinen Rinnsal steil nach oben ging. Auf der Karte sah ich das. Doch genau dort sollte auch mein Abzweiger sein, den ich jedoch nirgends sah. Unsicher entschloss ich mich, dem schmalen Pfad zu folgen und stand kurz danach wieder vor Stufen. Sch….., dachte ich und stapfte hoch mit dem Ergebnis, dass ich nach ein paar Stufen stolperte und der Länge nach hinfiel. Ich hatte keine Verletzungen, jedoch meine Stimmung lag ebenfalls am Boden. Ich fluchte über alles und jedes. Dann setzte ich mich hin und überdachte die Lage. Ich merkte, dass meine Kraft schrumpfte und ich hier allein auf mich gestellt war, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. So machte ich mich auf den Rückweg in Richtung Bad Schauenburg und begab mich langsam aber stetig durch den Wald der Strasse entgegen.

Die Verbindungsstrasse war kurvenreich, eng und teilweise unübersichtlich. Zwei Autos hatten Mühe aneinander vorbei zu fahren. Es herrschte reger Verkehr, was mich anfangs verwunderte. Doch als ich auf die Uhr blickte, war mir klar weshalb. Die Zeiger zeigten 17.30 Uhr. Somit handelte es sich um den Feierabendverkehr. Ich wanderte satt am Strassenrand entlang. Hörte ich Motorengeräusch –oft in hoher Tourenzahl- stand ich an den Rand und wartete. Die Mehrheit der Lenkerinnen und Lenker war jung. Sie kannten die Strasse wahrscheinlich auswendig und wähnten sich in einem Wettbewerb, in dem’s darauf ankam, jeden Tag einen neuen Streckenrekord aufzustellen.

Sicher kam ich auf die Ebene und zur Verzweigung, bei der es links Richtung Gempen und rechts zur Schönmatt oder Dornach weiter ging. Ich war froh endlich diesen Punkt erreicht zu haben und bog in Richtung Schönmatt ab. Unterwegs bemerkte ich ein Hinweisschild das mir mitteilte, dass die Schönmatt Montag und Dienstag Ruhetag hatte. Toll !!! Na ja, ernähren wir uns halt nochmals von hartem Brot, Salami und Käse. In der Zwischenzeit spürte ich immer wieder vereinzelnde Wassertropfen. Zudem nahm der Wind an Stärke zu. Bei der Schönmatt angekommen, bemerkte ich beim Bauernhof Personen. Ich ging dorthin und hatte das Glück, den Bauer persönlich anzutreffen. Ich erklärte ihm, woher ich kam und was ich wollte, nämlich im Stroh oder im Zelt schlafen. Als er noch zu überlegen schien, kam seine Frau aus dem Haus. Der Bauer erklärte ihr kurz um was es ging. Sie fand, ich könne doch gleich neben dem Hofladen, im Garten mein Zelt aufstellen. Zu dritt begaben wir uns an besagten Ort wo ich dann etwas windgeschützt meinen Platz bestimmte. Der Bauer zeigte mir, wo die Toilette war und ich gleichzeitig die Möglichkeit hatte, mich zu waschen. Die Bäuerin setzte anschliessend der Gastfreundschaft noch die Krone auf, indem sie meinte, sie hätte ihren Mann zum Abendessen holen wollen. Da genügend Platz und Essen vorhanden sei, könne ich gleich mitkommen.

Wer konnte da nein sagen. In der grossen Küche sassen bereits ein Helfer aus Moldavien und eine junge Polin am Tisch. Weiter stellte sich noch Tochter Barbara vor. Wie es sich gehörte, setzte sich der Bauer an den Kopf des Tisches. Ich erhielt den Platz links von ihm, seine Frau sass mir gegenüber. Das Nachtessen bestand aus einer selber gemachten Pizza und Mineralwasser. Vater und Tochter diskutierten über den Zonenplan. Im Gespräch erfuhr ich, dass der Kanton diese Pläne den jeweiligen Landbesitzern zukommen liess. Da wird unterschieden zwischen verschiedenen Landnutzungen. Nun war es Aufgabe der Tochter, dies zu prüfen und zu korrigieren. Anscheinend eine knifflige Angelegenheit. Ich brachte nochmals die Gastfreundschaft ins Gespräch mit der man hier ohne grosses Wenn und Aber fremden Personen erlaubt, beim Hof zu nächtigen. Für Familie Balzli eigentlich kein Problem. An Pfingsten werden Pfadfinder hier ihr Lager aufschlagen. Klare Aussage: Wer sich nicht anständig benimmt oder einen „Saustall“ hinterlässt, braucht nie mehr zu fragen! Nach einer Stunde verabschiedete ich mich, um mein Zelt noch schlaffertig herzurichten. Gegen 20.30 Uhr versuchte ich meine Frau telefonisch zu kontaktieren, was nicht möglich war. Kein Empfang teilte mir die weibliche Stimme im Natel mit. So bewegte ich mich nochmals zum Hauseingang und fragte, ob das normal sei. Und man staune, der Zustand wurde bestätigt. Ich durfte das Haustelefon benutzen und meine Nachricht übermitteln. Danach begab ich mich definitiv ins Zelt. Immer wieder wurde dieses von Windböen erfasst und geschüttelt. Irgendwann begann es heftig zu regnen. Ich kann nicht mehr sagen wann, aber es war Nacht, als ich bemerkte, dass mit dem Zelt etwas nicht stimmte. Die Taschenlampe bestätigte mein Gefühl. Der Häring der einen Apsis hatte sich gelöst und schlug bei jedem Wind gegen den Eingang des Innenzeltes. Das hatte zur Folge, dass meine Schuhe nass wurden. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich aus dem Schlafsack zu schälen, im strömenden Regen den Häring erneut einzuschlagen und die anderen gleichzeitig zu kontrollieren. Nach getaner Arbeit konnte ich mich beruhigt wieder hinlegen und langsam übergab ich meinen müden Körper dem Gott des Schlafes: Hypnos.

 4. Tag

Der Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es noch zu früh war, um aufzustehen. Alle Knochen schmerzten. Trotzdem drehte ich mich auf die Seite und versuchte noch eine Runde zu dösen. Das Geräusch auf dem Zelt wurde eindeutig von vielen Wassertropfen erzeugt. Zudem hatte Frau Balzli mich für ein Frühstück ab acht Uhr eingeladen. So blieb ich noch etwa 1.5 Stunden liegen, bevor ich mich von der warmen Umhüllung löste und mich anzog. Soweit es ging, packte ich dann den Rucksack. Als alles, ausser dem Nessecaire, verstaut war, stellte ich den Sack unter das Aussenzelt und begann mit dem Abbau des Innenzeltes. So konnte ich dieses einigermassen trocken zusammenlegen und ins Bodenfach meines Rucksacks verstauen. Nun ging ich zum Bauernhaus. Nach Betätigung des Klingelknopfs begrüsste mich der Haushund. Kurz danach kam die Polin und bat mich in die Küche. Hier wurde mir selbst gebackenes, gutes Brot, Butter, selbstgemachte Gompfi und Waldhonig von Gempen aufgetischt. Dazu bekam ich kräftigen Kaffee. Das Schlaraffenland pur. Ein Frühstück, das alle positiven Kräfte weckte. Nach kurzer Zeit kam Frau Balzli dazu, die sich über meinen Genuss freute.

Nachdem ich getafelt hatte, begab ich mich zurück zum Zelt, um dieses fertig einzupacken. Leider hatte es in der Zwischenzeit nicht aufgehört zu regnen. Deshalb musste ich es in nassem Zustand einpacken, was merkbar mehr Gewicht verursachte. Bevor ich mich verabschiedete, schaute ich noch den Hofladen an. Hier gab es viel Gutes. Angus-Beef, Lammfleisch, normal, getrocknet oder speziell zubereitet. Verschiedenes Obst in flüssiger Form, eingemacht, gedörrt oder als Gompfi, verschiedene Sirups, Gewürze und Eier. Der Laden ist immer einen Ausflug wert. Nebenbei kann man im Restaurant Schönmatt gut speisen.

Gegen 10.00 Uhr verabschiedete ich mich. In der Zwischenzeit hatte es aufgehört zu regnen. Ich wurde aber informiert, dass das Wetter in nächster Zeit wechselhaft bleibe und man immer mit Regengüssen rechnen müsse. BL-Wanderung-2-b22Aussichten, die mich dazu bewogen, die Wanderung in Aesch zu beenden. Kurz nach dem Waldbeginn in Richtung Dornach, führte mein Weg links weg. Überall lagen kleinere Äste am Boden, die von dem heftigen Wind in der Nacht zeugten. Ich umrundete relativ eben den „Hornichopf“. Nach einiger Zeit kam ich zum Reservoir „Grossacker“, danach zum Schlosshof, bevor die Grenze in der Nähe des Goetheanums vorbei und anschliessend durch Wohngebiet führte. Mit der Zeit kam ich zur alten Dornacher Brücke mit der Statue des Heiligen Nepomuk. Diese überquerte ich und spazierte dem Birsufer entlang bis zum Bahnhof Aesch. Hier beendete ich um die Mittagszeit den zweiten Teil meiner Grenzbegehung. Ein guter Ort, irgendwann die nächsten Wandertage wieder in Angriff zu nehmen. Ich freue mich drauf.


 Dr dritti Dail

1. TAG

Donnerstag, 11. Juni 2015, 10.00 Uhr verliess ich die Wohnung, bepackt mit einem Rucksack von insgesamt 12,4 kg. Er enthielt alles was notwendig war und 1 Leichtschlafsack, ein Leichtzelt für 2 Personen und eine leichte Liegematte.

Mit dem öffentliche Verkehrsmittel fuhr ich bis zur Endstation Aesch. Hier musste ich noch Fotos der Jubiläumsfeier bei Misa in den Briefkasten werfen. Nachdem dies erledigt war, begann mein Abenteuer. Als ich in die Bahnhofstrasse einbog, ertönte elfmal die Glocke der Kirchuhr.

Die Strasse führte zum Bahnhof und von dort nach rechts, Schloss Angenstein entgegen. Die Kantonsgrenze verläuft zwar etwas weiter links den Hang hoch in Richtung Herrenmatt. Ich will jedoch nicht unbedingt direkt auf der Kantonsgrenze wandern. Das wäre stellenweise auch zu gefährlich. Aber so nah wie machbar. Der Weg ist jedoch –gemäss Karte- steiler und schlechter. Nun, vielleicht wäre diese Variante weniger heiss gewesen, denn mein Weg führte in die pralle Sonne. Und die war sehr heiss. Etwa 27 Grad im Schatten. Kein Lüftchen erbarmte sich meiner. Ich kämpfte mich die Strasse hoch bis zum Waldrand. Dort gab’s eine Bank (übrigens die letzte für lange Wanderstunden) bei der ich mich erst mal erholte. Nach etwa 10 Minuten ging’s weiter. Der Weg war breit und ausser Vogelgezwitscher war nichts zu hören.

quellfassungNach einiger Zeit sprudelte irgendwo ein gefasster Quellbach via Rohr in einen Holztrog, um über den Weg im Wald zu versickern. Eine herrliche Abkühlung für Hände, Arme und Gesicht. Kurz danach überholte mich eine Amazone auf ihrem stolzen, aber etwas nervösen Pferd. Sie nahm einen anderen Weg und ich war erneut allein. Irgendwo überquerte ich die Strasse von Grellingen nach Seewen. Anschliessend wanderte ich oberhalb des „Seetelbachs“ weiter via „Stollenagger“ zum „Chastelbach“, den ich überschritt und zur Bahnlinie Basel-Delsberg hinunter marschierte. Bis jetzt befand ich mich im Wald. Doch nun musste ich erneut in der Sonne bis zum Eingang ins „Chaltbrunnetal“ laufen. Und nirgends befand sich eine Einkehrmöglichkeit.Chaltbrunnental

Ich hatte kaum das schöne und interessante Tal betreten, kam mir bereits die erste Schulklasse entgegen. Laut schnatternd, mit „rote Bagge“, einem kleinen Rucksack und einem gelben Leucht-Gilet ausgestattet. Etwas später folgte die nächste Horde und begrüsste mich in französischer Sprache. Es herrschte kurze Zeit Ruhe, bevor ich erneut verschiedene Grüppchen von Schülern und Schülerinnen entdeckte. Eine Mädchengruppe beantwortete mir dann meine Frage. Sie hatten eine Projektwoche mit dem Thema Wald und Kunst. Also wurden verschiedene Ideen umgesetzt. 3.6Am folgenden Tag war die Vernissage und Prämierung der Kunstwerke mit anschliessender Feier bis in die späten Abendstunden. So erspähte ich das eine oder andere phantasievolle Kunstwerk auf den folgenden Metern. Weiter hinten studierte ich angebrachte Hinweistafeln über die verschiedenen Höhlen, die sich links und rechts des Baches befanden.3.7

Bei der Verbindungsstrasse Himmelried / Brislach verliess ich das Tal in Richtung Brislach. Erinnerun-gen vergangener OP-Tippel kamen mir in den Sinn…

Im Dorf angekommen, die Zeiger der Kirchenuhr zeigten bereits kurz vor 5 Uhr, wollte ich mal meine Energie-Batterie auftanken. Doch immer hat die Dorfbeiz am falschen Tag Wirtesonntag. Deshalb setzte ich mich bei einem Haus auf die Bank. Ich war gerade beim Auspacken meiner Zwischenverpflegung, als eine ältere Dame aus dem Haus trat. Ein Wort gab das andere mit dem Resultat, dass sie ihren Enkel aufforderte, für mich eine kleine Flasche Bier zu organisieren. So kam ich in den Genuss eines Durstlöschers der zu Käse und Trockenfleisch passte und einem fröhlichen Gespräch.

Nach etwa 45 Minuten verabschiedete und bedankte ich mich. Der Himmel hatte zwischen-zeitlich ein bedrohliches Dunkelgrau angenommen. In weiter Ferne hörte man auch ab und zu ein leises Grollen. So verliess ich das Dorf auf der Verbindungsstrasse nach Laufen. Es war schwül. Die Grillen zirpten und ein Bussard drehte seine Kreise. In der Mitte eines Waldstücks auf der linken Strassenseite entdeckte ich einen Weg, der zu einem Hof führte. In der Absicht dort um eine Unterkunftsmöglichkeit zu fragen bog ich ein. Kaum war ich im Wald, kam auch schon ein Auto. Mit Gesten bat ich den Lenker anzuhalten. Missmutig kam er meinem Wunsch nach. Als ich meine Frage angebracht hatte meinte er, ich solle bei einem anderen Bauer nachfragen. Bei ihnen gäbe es keine Möglichkeit. Sprachs und gab Gas. So schlurpte ich zur Strasse zurück und weiter Richtung Laufen. Die wenigen Autos die sich mir von hinten näherten, hatten kein Interesse, auf meine internationale Daumengeste anzuhalten. Vielleicht lag es auch daran, dass es sich um Lenkerinnen handelte. 3.8Beim „Neuer Fichtenhof“ hatte ich mehr Glück. Nachdem ein junger Bursche mich bemerkt und meine Frage entgegen genommen hatte, musste ich einen Moment warten bis er seine Mutter zu mir brachte. Sie hatte keine Bedenken, wollte mich aber –aus verständlichen Gründen- nicht auf den Heuboden lassen. 3.9Doch sie führte mich zu einem leicht vergammelten Waldhäuschen, oberhalb des Hofes und meinte, hier könne ich die Nacht verbringen. Sie zeigte mir eine Waschgelegenheit und das WC fürs Personal. Falls ich etwas zu Essen oder zu Trinken brauche, solle ich mich melden. Anschliessend versorgte mich ihr Sohn mit den bestellten Getränken und half mir noch, den Schlafplatz ein wenig herzurichten. Er erzählte mir, dass der Hof eine Pferdepension sei und verschiedene Arten von Pferden beherberge, vom Hochleistungssportler bis zum Altersasylinsassen.

Es war gegen 19.00 Uhr. Nachdem ich meine durchschwitzten Sachen auf einer Schnur der Abendsonne ausgesetzt hatte, setzte ich mich ein wenig hin. Nach etwa einer halben Stunde spazierte ich zum Waschtrog, erledigte die Abendtoilette, setzte mich danach auf die Bank meiner „Villa“, stöpselte die Lautsprecher meines MP3-Players in die Ohren und genoss die Stimmung bis gegen 22.00 Uhr. Anschliessend bezog ich mein Nachtquartier. Die Unterlage war fast bretthart und deshalb mein Schlaf in der Nacht etwas unruhig.

2. TAG

Die Uhr zeigte einige Minuten nach 5 Uhr als ich erwachte ich. Die Vögel trillerten und jubilierten in den neuen Tag hinein. Ein Blick durch das Mückennetz zeigte mir, dass es draussen eher grau und neblig war. Ein Grund mehr, um sich wieder in den Schlafsack zu verkriechen und nochmals versuchen eine Runde zu schlafen. Das gelang bis gegen sieben Uhr. Von da an wars vorbei mit der Gemütlichkeit. Ich beschloss aufzustehen.

Leider waren meine halbwegs getrockneten Kleider, die ich vor dem Zubettgehen noch aufs Zeltgestänge legte, erneut feucht geworden. Nicht die angenehmste Art, den Tag mit dem Überziehen von feuchten Kleidungsstücken zu beginnen. Zuerst rollte und verpackte ich den Schlafsack, rollte die Matte zusammen und verstaute das Innenzelt in seine Hülle. Nachdem dies erledigt war, entpackte ich mein Frühstücksbrot. Statt Kaffee gab’s kühles Mineralwasser. Als Belohnung schob ich noch einen halben „Schoggiriegel“ nach. Schliesslich lebt der Mensch nicht nur von der Askese. Es folgte die Morgentoilette. Gestärkt und erfrischt startete ich – nach einem herzlichen Abschied – gegen acht Uhr den Weiterweg. Ich marschierte Laufen entgegen. Mein Plan war, mit dem Bus nach Grindel zu fahren und von dort zur Station Bärschwil zu wandern. Somit gewann ich auf angenehme Art Höhenmeter.

Beim Laufener Bahnhof angekommen, bemerkte ich einen PTT-Bus. Auf der Frontanzeige stand „Dienstfahrt“. Im gleichen Moment kam ein PTT-Chauffeur mit einer Einkaufstüte in der Hand und steuerte auf dieses Fahrzeug zu. Er stieg ein und liess die Vordertür offen. Dies ermöglichte mir die Frage, wann und wo welcher Bus nach Grindel fährt. Er schaute mich schmunzelnd an und sagte: „Ich, hier und jetzt!“ Mein erstaunter Gesichtsausdrucks veranlasste ihn noch zur Information, dass er als Privatier für die Post den Fahrdienst betreibe. Dies bedeutete, dass er nur während den Stosszeiten fährt und nun pausiere. Erst um 11.30 Uhr werde ein Mitarbeiter von Grindel nach Laufen und zurück fahren.

Die Mitfahrt kostete mich nichts. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und gelangte mit Privatchauffeur an meinen Wunschort. Die Kirchenuhr schlug die Stunde Neun, als wir dort eintrafen. Ich bedankte mich und marschierte los. Von da an ging’s nur noch bergab einem Bach entgegen. birs-3Nach einer gewissen Zeit fiel mir auf, dass viel Geröll auf dem geteerten Weg und von diesem auf die anschliessende Wiese gespült worden war. Der Weg führte am Pistolenstand von Bärschwil und Grindel vorbei. Hier das gleiche Bild. Überall Geschiebe auf normalen Wegen. Mit der Zeit kam ich zur Strasse die links ins Dorf Bärschwil und rechts zur gleichnamigen Bahnstation führte. Es war bereits wieder heiss geworden. Bei der Station entdeckte ich ein „Bistro“. Die Tür stand offen und an einem Tisch wurden zwei ältere Frauen von einem älteren Herrn bedient. Ich hatte grosses Verlangen nach einem guten Kaffe und setzte mich deshalb zu den beiden. Der Kaffee war so genussvoll, dass ich einen zweiten bestellte und den letzten Nussgipfel.

3.12Die Frauen, beide aus Bärschwil, informierten mich über die Unwetterspuren. Beide waren sich einig, dass dies vergangene Gewitter sehr heftig war und sogar das Schulhaus unter Wasser gesetzt hatte. Ausserdem sei der Bach, der die Strasse entlang fliesst, über die Ufer getreten und habe all die vor einiger Zeit gemachten Renaturalisierungsarbeiten zunichte gemacht. Sie wiesen auf den Maschendrahtzaun bei den Bahngeleisen und meinten, wenn der nicht gewesen wäre, wären die Geleise von dem Geschiebe überhäuft worden und der Bahnverkehr hätte nicht mehr funktioniert. Ebenfalls erfuhr ich, dass oberhalb der Felspartie auf der anderen Birsseite eine Gämsenfamilie lebe. Leider konnten wir sie zu dem Zeitpunkt nicht entdecken. Ich zweifelte ein wenig an der Geschichte, aber vielleicht ist es ja wirklich so.

Nach etwa 30-45 Minuten verabschiedete ich mich und wanderte auf dem Birsweg in Richtung Delémont. Zuerst ein schmaler Pfad, weitete er sich nach einigen hundert Metern zu einem befahrbaren Weg. Unterwegs gurgelte und gluckerte es immer wieder auf der linken Seite. Kleine Rinnsale flossen auf direktem Weg oder in Mäander der Birs entgegen. Es war richtig schön anzusehen mit den Moos überwachsenen Steinen und Ästen. Unter dem Laubdach war es angenehm. Irgendwo begegnete mir eine Menge Brennholz zu grossen Rollen zusammengebunden. WinterGegenüber hatte jemand eine Holzfigur plaziert. Zuerst sah ich eine Eule, doch dann glaubte ich auch einen muskulösen Mann zu sehen. Kunst im Wald. Ein anderer Ort wäre als kurzfristiger Zeltplatz sehr toll und direkt an der Birs. Aber nirgends hatte es eine Sitzbank, geschweige denn einen Rastplatz mit Feuerstelle. Schade. Kurz vor der Station Liesberg machte ich Rast und füllte ein wenig meine Speicher auf. Zwei „Rossbräme“ belästigten mich und mussten ihre verwerflichen Absichten mit dem Tod bezahlen.

Nach etwa 15 Minuten, in denen mich die Sonne auf unseren kommenden Kontakt vorbereitete, ging’s weiter. Nach der Station Liesberg führte der Weg über die Bahn, hinunter zur Birs. Hier hatte es zwar die einzige und letzte offene Beiz. Sie war jedoch bis zum letzten Platz mit Arbeitern der Umgebung gefüllt, die zu Mittag assen. Vorbei an der Fabrik „Aluminium Laufen“, kam ich zu einer weiteren Bahnüberquerung und zugleich an einen langen schattenlosen Wegabschnitt. Das Wetter zeigte sich von der hitzigsten Seite. Aber bereits türmten sich auch schon graue Wolkengebilde. Nach Riederwald überschritt ich die Kantonsgrenze zum Kanton Jura und ein paar Meter weiter kam der Weiler „Les Riedes Dessus“. Ein bis zwei ältere Häuser mit Garten, einige neue Einfamilienhäuser, eine Kapelle und ein Schulhaus mit Spielplatz. Auf der einen Seite die Bahn, auf der anderen Seite die Birs und Hauptsrasse. Keine „Bäsebeiz“, keinen Schattenplatz. Gemäss Karte lief ein schmaler Pfad links der Bahn entlang. Er hatte den Vorteil, im Wald wandern zu können. Der ausgeschilderte Fuss-/Veloweg, führte durch den Weiler, jedoch in brütender Hitze über offenes Feld. Ich entschied mich deshalb für den Schattenweg, musste jedoch nach ein-, zweihundert Metern feststellen, der war optisch nicht mehr vorhanden. Schweren Herzens kehrte ich um und nahm den „Hotway“ unter die Füsse.

Etwa einen Kilometer weiter kam der Übergang für den Weg Richtung Ederswiler, Roggenburg. Doch ich hatte mich bereits für den Abbruch meiner Wanderung entschieden. Einige Überlegungen führten dazu. Es war sehr heiss und Brunnen wie Restaurants gab’s wenige auf der von mir geplanten Route. Da stellte sich die Frage, wie komme ich mit der Hitze zurecht? Wie fülle ich meine Speicher auf? Wo kann ich mich in Sicherheit bringen wenn Gewitter eintreffen, die meine Wetter-App voraussagte? Also entschied ich mich, das Vorhaben abzubrechen. Um es weiter zu führen wird es hoffentlich noch viele Möglichkeiten geben. Darum lief ich weiter zur Hasenburg. Vorher gab’s einen kleinen Haufen spezieller Häuser, u.a. auch einen Motorradtreffpunkt mit Ausschank. Auch der war geschlossen. Nach der Hasenburg musste ich eine lange Gerade erobern. Über mir der Glutofen Sonne, vor mir dunkelgraue, sich auftürmende Wolken. Schwül und schweisstreibend. Nach knapp einem Kilometer gelangte ich an eine Kläranlage, die es zu umrunden galt. Ein schmaler, Kuhtrampelpfad führte um das Gelände und stellenweise durch Kuhfladenmatsch, in den man knöcheltief einsank. In der Situation schimpfte ich wie ein Rohrspatz über die Wegführung. Etwas später grinste ich darüber. Mindestens hatte ich trockene Füsse behalten. Nach diesem Vorfall kam ich erneut nach etwa einem Kilometer zu einem grossen Werkhof- oder Bauernhofgelände, das es nochmals zu umrunden galt. Anschliessend entdeckte ich endlich eine Bank die bei einem kleinen Birswehr stand. Hier liess ich mich nieder mit dem Blick auf die Wallfahrtskirche und die Ruine der Burg du Chateau du Vorbourg. (Im 15. Jahrhundert war die Burg zur Sicherung der Talenge gedacht. Die Kapelle ist der Maria gewidmet und im Zusammenhang mit einem angeblichen Wunder eine beliebte Wallfahrtskirche mit interessantem Innenleben.)

Nach einiger Zeit hörte ich weibliche Stimmen in einem speziellen Französisch. Als ich die beiden Frauen erblickte wähnte ich mich in Afrika. Beide spazierten in ihren Landeskleidern und diskutierten wild gestikulierend. 3.18Eine Szene zum Schmunzeln. In der Zwischenzeit traf mich ab und zu ein Regentropfen. Um nicht all zu heftig verregnet zu werden packte ich meinen Unrat zusammen und wanderte weiter. Kurz nach dem Flusswehr kam ich an eine Befestigungsanlage des zweiten Weltkrieges. Sie war gut beschildert und beschrieben. Man konnte die Innenräume auch besichtigen, was ich aber nicht machte.

Langsam, nun auch meiner Blasen bewusst, spazierte ich Delsberg entgegen. Kurz vor dem Städtchen kam der Übergang zur Stadt. Ein Wegweiser zeigte, dass es noch 30 Minuten bis zum Bahnhof ging. Auf halbem Weg kam ich an einer Bushaltestelle vorbei. Ich beschloss den Transportdienst in Anspruch zu nehmen. Nach etwa 15 Minuten Wartezeit kam der Bus, ich stieg ein und fuhr zum Bahnhof. Hier herrschte emsiges Treiben. Die Schule schien zu Ende zu sein.

Ich hatte Glück, denn in 5 Minuten fuhr ein bereits eingetroffener Zug weiter nach Basel. Auf der Rückfahrt konnte ich einen grossen Teil meines Weges nochmals überblicken. Angekommen in Basel leistete ich mir erst ein „Eis am Stiel“ bevor ich Tram und Bus benutzte um nach Hause zu kommen.

” Ein Andenken”

Etwa 14 Tage später machte mich meine Frau nach der Dusche auf einen runden, rötlichen Ring am seitlichen Oberschenkel aufmerksam. Dies führte dazu, dass ich mich beim Arzt meldete. Er bestätigte meinen Verdacht, dass dies das Zeichen einer Zeckeninfektion sei und verschrieb mir Antibiotikas, die ich gemäss Vorgabe schluckte. Der Ring verschwand allmählich und die gefürchteten Reaktionen wurden vermutlich gebannt. Da musste ich 66 Jahre alt werden, bis ich meinen ersten Zeckenbiss mit entsprechender Reaktion als Andenken mit nach Hause brachte.

Alt-Pfadfinder-Verband Johanniter Basel